Pfui! Nicht anfassen! Pfoten weg! Crinum Latifolium ist giftig und wurde bereits gegossen und gefüttert. Für alles Andere benutzen Sie bitte die Toilette oder den Mülleimer!

Pfui! Nicht anfassen! Pfoten weg! Crinum Latifolium ist giftig und wurde bereits gegossen und gefüttert. Für alles Andere benutzen Sie bitte die Toilette oder den Mülleimer!

DER MANN WO GAR KEIN FELD HAT UND GANZ VIEL TOLLE SACHEN KANN

Allerneueste

Bewältigung

Am 02.04.2020 bewältigt Herr F. die COVID-19-Kultur

seiner Villa darauf gewartet hat, ist mir das Geschäft der privaten Fernsehsender zu suspekt. Außerdem treten da immer komische dicke Frauen in Jogginganzügen oder Leggins auf und machen mir Angst mit ihren Grimassen, mit denen sie auf den Linsen der Kameras Abdrücke hinterlassen. Und schreiende Gören schau ich mir auch nicht an. Ich bin doch nicht bescheuert. So was kommt mir nicht ins Haus.

Bei einem Kultursender werde ich in vernichtend turbulenter Zeitzeuge eines wundersamen Heilswerkes. Ein Stehgeiger musiziert zusammen mit einem Pianisten. Sie geben eine halbe Stunde lang alte und neue Stücke, klassisch ernste und einfach nur unterhaltsame Musik. Der perfekt englisch sprechende Geiger und der perfekt deutsch sprechende Pianist musizieren mit wonniger Gelassenheit, freudigem Eifer und souveräner Beherrschung ihrer Instrumente in einreihigen Anzügen in gedeckter Farbe im Jugendstil-Salon des Geigers. Dessen Einrichtung ist ebenso professionell wie die von den beiden Musikern verwendeten Instrumente und Geräte zur Aufzeichnung und Übertragung von Bild und Ton. Beide beherrschen den Salon im Jugendstil biedermeierlich. Aus dem Salon des Geigers ist wegen der derzeitigen Ansteckungsgefahr die Öffentlichkeit ausgeschlossen, ausgewählte Gäste des Geigers sind es nicht. Geiger und Pianist haben das Ziel, in Zeiten des beschränkten Ausgangs der Öffentlichkeit dieser mit professioneller Hausmusik ein bisschen Zuversicht zu vermitteln. Der Geiger leitet die Sendung. Zu Beginn der Sendung begrüßt er die Zuschauer mit einem vergnügten Lächeln, beschwingt freundlich warmen Worten und deutlichen Grübchen in den erröteten Backen. Der Pianist wartet pianierbereit, bis ihm das Wort erteilt wird. Der Geiger gibt eine kurze Einführung in die jeweilige Sendung und die darin gegebenen Stücke. Danach setzt er seine Geige an und klemmt sie zwischen Kinn und Schulter. Sein Lächeln und seine Grübchen weichen einer sichtbar entschlossenen Anstrengung. Sein Körpereinsatz ist der Dynamik und dem Tempo des Stücks und dem erforderlichen Strich und Druck des Bogens geschuldet. Der Pianist betätigt die Tasten des Flügels mit runder Hand, flinken Fingern aber gleichgültiger Miene. Wird ihm das Wort erteilt, oder wird er dazu aufgefordert, zu sprechen, trägt er freundlich bestimmt mit Miene und Duktus eines Vorsitzenden vor. Keiner der beiden zeigt eine Bemühung, sich beim Publikum anzubiedern. Dies ist positiv zu bewerten.

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